Lucifer – Blasphemie mit Stil

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Wenn ich ein Faible habe, dann fraglos für die moderne (und humorvolle) Aufbereitung biblischer Figuren, die sich mit den Eigenarten der Welt des 21. Jahrhunderts herumschlagen müssen. Oder wie in diesem Falle: Herumschlagen wollen. Mit Lucifer versetzt Amazon Prime seit knapp einem Monat das Christentum hierzulande in Angst und Schrecken – und hat mich ungemein neugierig gemacht. Originalvorlage für die Serie ist übrigens der gleichnamige Comic, der beim Label Vertigo erschien und von Californication-Macher Tom Kapinos adaptiert wurde. Das verspricht zumindest schonmal theoretisch beste Unterhaltung!


Ein Teufel, wie er im Buche steht

Während eine Serie wie Lucifer in Deutschland eher ein müdes Lächeln provoziert, drehten amerikanische Bürger wie gewohnt mit Vollspeed am Rad. Eine ganze Horde besorgter Mütter setzte dort sogar eine Petition auf, um zuerst die Produktion und dann die Ausstrahlung der unchristlichen Serie zu verhindern – doch alles vergebens. Grund dafür ist die Vermenschlichung, ja gar die Glorifizierung des Teufels, die im Rahmen von Lucifer angeblich stattfindet. Aber dafür muss man die Sendung schon ziemlich ernst nehmen und den inflationär reingesprenkelten Humor absichtlich übersehen.

Inhaltlich dreht sich alles um den typischen Vater-Sohn-Konflikt. Lucifer, vor Ewigkeiten von Gott wegen Ungehorsams in die Hölle verdammt, hat keine Lust mehr auf seinen eintönigen Job im Fegefeuer und verbringt seine Zeit viel lieber in der irdischen Welt. Hier frönt er gemeinsam mit seiner treuen Dämonen-Begleiterin Mazekeen allen sündhaften Gelüsten: Alkohol, Glücksspiel, Gewalt und jede Menge Sex – wobei Männer und Frauen von ihm gleichermaßen bedient werden. Ganz im Stil des Teufels betreibt der gefallene Engel einen Nachtclub in L.A., hat aber seinen eigentlichen Job nicht ganz aus den Augen verloren. Denn wie früher sehnt sich Lucifer danach, die Schuldigen zu bestrafen.

Aus diesem Grund – gemischt mit wirrer persönlicher Neugier – schließt sich Beelzebub ungefragt LAPD-Detective Chloe Decker an und steht ihr bei der Lösung kniffliger Kriminalfälle zur Seite. Die junge Frau hält den vermeintlichen Sohn Gottes für einen Geisteskranken mit komplizierter Identitätsstörung, kommt aber nicht um dessen nützliche Fähigkeiten herum und beißt in den sauren Apfel seiner Hilfe. Die Tatsache, dass ihr neuer und inoffizieller Partner durchweg behauptet, Satan höchstpersönlich zu sein, belächelt sie allerdings konsequent und lässt sich auch von dessen Flirtversuchen nicht beeindrucken.

Zwischen Mord und Totschlag, Lucifers menschlicher Therapeutin und einem wild gewordenen Bruder stößt der Teufel aber schon bald an die Grenzen seiner eigenen Unsterblichkeit und muss sich die Frage stellen, ob er in der Welt der Menschen bleiben oder zurück in die Hölle kehren will. Schnell wird dabei klar: Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile…

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Lauwarmes Höllenfeuer

Lucifer spielt mit verhältnismäßig wenig festen Charakteren, die an einigen Stellen etwas zu platt wirken und nur halbherzig Sympathie wecken. Tatsache ist aber, dass die Serie eine der vielseitigsten und facettenreichsten Figuren der Bibel nimmt und sie in eine moderne Welt voller Sünder, Verbrechen und Menschlichkeit schubst. Dabei hinterlässt Jerry Bruckheimer, der unter anderem für die vielen CSI-Serien zuständig ist, seine deutliche Handschrift auf der unchristlichen Serie, reicht aber nicht an die komplexen Verhältnisse anderer Werke (z.B. Without a Trace) heran.

Gut gemacht ist dafür das zerrissene Verhältnis zwischen Gott und Lucifer, der übrigens von Charmebolze Tom Ellis gespielt wird. Stets in der Versuchung, die Menschen von der Ungerechtigkeit, Willkür und Ignoranz Gottes zu überzeugen, lässt der Herr der Hölle seinen teuflischen Gelüsten gerne freien Lauf und stößt dabei oftmals auf Antworten, die er so nicht erwartet hat.


Fazit

Eine Wortschmiedin mit Würfelpech, deren Herz nicht nur für Dungeons & Dragons schlägt, sondern auch für RPGs aller Art und Spaghetti Bolo. Ihr mieses Mojo holt aus jedem Würfel das Schlechteste raus - damit andere Spieler glänzen können.

Author wtfimcool
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