Tales of Zestiria – Der Hirte und das Biest

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Lange habe ich mich auf Tales of Zestiria gefreut und der Geschichte rund um den Hirten der Welt entgegengefiebert. Wie immer verspricht auch der derzeit jüngste Ableger der Reihe ein fantastisches Abenteuer mit großem Thema, bei dem wie gewohnt nicht einfach nur Gut und Böse gegeneinander antreten müssen. Lasst euch also von mir erzählen, was ihr von Tales of Zestiria erwarten könnt und an welchen Stellen ihr den Anspruch herunter schrauben müsst.


Der Herrscher des Unheils

In einer Welt, die von Missernten, menschlichen Intrigen und gesellschaftlichen Unruhen geplagt wird, wächst der junge Sorey mit seinem besten Freund Mikleo recht behütet in einem abgelegenen Bergdorf auf. Das kleine Geheimnis dabei: Sorey ist der einzige Mensch in seinem Heimatort, der ansonsten nur von Seraphim bewohnt wird – mächtige Elementargeister, die für das menschliche Auge normalerweise unsichtbar sind. Im Gegenzug für den Glauben der Menschen belegen die Seraphim eine Region mit ihrem Segen und halten auf diese Weise das Böse davon ab, einzudringen und Leid zu verursachen.

Dort lernen die beiden Jungen nicht nur alles über die Jagd und erfahren vom Dorfoberhaupt, ihrem Ziehvater, die wichtigen Dinge des Lebens, sondern entwickeln eine gemeinsame Vorliebe für alte Ruinen, längst vergangene Geschichten und das Geheimnis des Himmelsverzeichnis – den Aufzeichnungen eines fast vergessenen Heldens, der die Welt vor Jahrhunderten vor der einfallenden Bosheit beschützt hat.

In diesen dunklen Tagen scheint sich die Welt erneut zu befinden: Bei einem Ritual in der Hauptstadt zieht Sorey im Eifer des Gefechts ein uraltes Schwert aus seinem Sockel und erhält dafür nicht nur die Kräfte der Feuer-Seraphimdame Lailah, sondern auch die größte Bürde seines Zeitalters auferlegt. Gemeinsam mit Mikleo, Lailah und anderen Seraphim soll er in die Schlacht gegen den Herrscher des Unheils ziehen, der die Welt mit dunklen Schatten überzieht. Doch Sorey muss erkennen, dass nicht immer alles nur schwarz und weiß ist.

Fliegender Wechsel

Die Story bleibt der Tales of-Reihe treu und schickt eine Hauptfigur mit reinem Herzen in den alles entscheidenden Kampf gegen das Böse. Dabei stehen insgesamt 6 Figuren zur Verfügung, die theoretisch genutzt werden können. Theoretisch deswegen, weil in der Regel nur zwei davon Menschen sind, vier hingegen Seraphim.

Da die Naturgeister einen Pakt mit Sorey schließen, können sie nur in seiner Anwesenheit oder der seiner Provisoren am Kampfgeschehen teilnehmen. Oder anders: Ihr könnt die Seraphim zwar im Kampf unkompliziert und unbegrenzt wechseln, allerdings immer nur einen pro menschlichem Kämpfer nutzen. Während Sorey also beispielsweise mit Mikleo kämpft, kann ihn seine menschliche Begleiterin Alisha mit einem weiteren Seraphim unterstützen. Die beiden „übrigen“ Geister verbleiben auf der Reservebank und warten geduldig darauf, dass ihr sie bei Bedarf einwechselt.

So weit, so gut. Das macht über den Großteil des Spiels viel Spaß, produziert ein dynamisches Kampfsystem und erlaubt es euch, auf jeden Gegnertypen mit dem entsprechenden Element zu reagieren. Allerdings gibt auch ein (wenige) Abschnitte der Geschichte, in denen ihr ohne menschlichen Kumpel unterwegs seid. Obwohl euch also vielleicht vier Seraphen begleiten, werdet ihr den Kampf nur zu zweit bestreiten können. Etwas ärgerlich, aber da sich diese Momente wirklich fast ausschließlich auf den Anfang beziehen, lässt sich darüber hinwegsehen.

Ansonsten macht der Kampf Spaß, geht flott von der Hand und erfordert nur in großen Schlachten taktisches Vorgehen. Alle kleineren Gegner werdet ihr getrost mit Knöpfe-Hämmern los und seht dabei sogar noch gut aus! Sobald Sorey die Fähigkeit bekommt, mit seinen Seraphen zu verschmelzen, erhält das Spiel nochmal einen kleinen Temposchub und erlaubt umfangreiche Kombis, Special Attacks und viel Wumms. Ihr werdet vermutlich ziemlich schnell und regelmäßig leveln, wenn ihr keinen Kampf scheut – also tut das ruhig auch. Denn obwohl die Gegner nicht die knackigsten sind, werdet ihr euch hin und wieder doch bemühen müssen, um zu siegen.

Offene Fragen für den Nachfolger

Geschichte und Charaktere sind schön, haben mich aber nicht richtig packen können. Ich mag Sorey und habe auch Gefallen an seinen Gefährten gefunden – aber irgendetwas fehlt. Obwohl man im Spielverlauf durch die eingeblendeten Gesprächsszenen viel über die Vergangenheit der Protagonisten erfährt, ist vieles von vornherein sehr offensichtlich gestrickt, sodass die Geschehnisse nur wenige Aha-Momente hervorrufen können. Natürlich gibt es diese, aber eben nicht so viele, nicht so intensiv und nicht so überraschend, wie ich es von anderen Ablegern gewohnt bin.

Bis zum Ende bleiben zudem offene Fragen, die allerdings mit Ausblick auf das 2017 erscheinende Tales of Berseria nicht weiter schlimm sind. Das ist mit das interessanteste an der Story von Sorey und den anderen: Sie steht in indirektem Zusammenhang mit dem geplanten Tales of Berseria und spielt mehrere Jahrhunderte nach diesem. Bedeutet, dass ihr in Tales of Berseria auf jeden Fall Charaktere treffen werdet, die euch jetzt schon in Tales of Zestiria begegnet sind – zum Beispiel Eizen. Das steigert meine Vorfreude auf den neuen Ableger der Reihe extrem und weckt die Hoffnung, dass alle unbeantworteten Fragen kommendes Jahr aufgelöst werden können.


Fazit

Eine Wortschmiedin mit Würfelpech, deren Herz nicht nur für Dungeons & Dragons schlägt, sondern auch für RPGs aller Art und Spaghetti Bolo. Ihr mieses Mojo holt aus jedem Würfel das Schlechteste raus - damit andere Spieler glänzen können.

Author wtfimcool
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