World of Final Fantasy – Monsterjagd und Sammelwut

© Square Enix

Noch vor dem Release von Final Fantasy XV hat Square Enix aus den niedlichen Kanonen geschossen und mit World of Final Fantasy einen sehr süßes Spin-Off der Reihe veröffentlicht, das ein bisschen Pokémon-Flair mitbringt. Es folgt ein Artikel über winzige Monster und primitiven Sammeltrieb..


Ohne uns läuft hier nix!

In World of Final Fantasy leiden wir unter seltsamen Erinnerungslücken und erwachen in einer leergefegten Welt, in der wir die einzigen Menschen zu sein scheinen. Wir, das sind in diesem Fall nicht nur ihr und ich, sondern vor allem die beiden Hauptcharaktere Lann und Reynn. Die Zwillinge treffen in der trostlosen Stadt überraschend auf ein fremdes Mädchen, das mehr über ihre Vergangenheit zu wissen scheint als die beiden selbst und ihnen helfen will, Licht ins Dunkel zu bringen.

Enna, so nennt sie sich, erzählt uns, dass wir früher in der Welt von Grymoire große Mirage-Keeper waren, die an der Seite von mächtigen Monstern in den Kampf gezogen sind und den Frieden der Welt bewahrt haben. Mysteriöser Weise sind Lann und Reynn anschließend jedoch aus der Welt verschwunden, die nun von der dunklen Förderation Bahamut geplagt wird. Fest entschlossen, ihre eigene Vergangenheit zu erforschen und Grymoire von de Schatten zu befreien, ziehen wir mit den Zwillingen also erneut los, um Mirages zu fangen, zu trainieren und das Böse zu besiegen.

Was mir dabei leider am meisten fehlt, ist Charaktertiefe. Reynn ist die einzige, deren Gedanken angezeigt werden – Lann wurde zum nichtsnutzigen, etwas stumpfen Bruder degradiert, der ständig dumme Witze macht. Das nervt auf Dauer und liegt zudem weit unter dem, was Final Fantasy, aber auch Square Enix bei anderen (kleinen) Spielen schon geleistet haben.

Mirage, stapel dich

Das eigentlich interessante an World of Final Fantasy ist das ausgefallene Kampfsystem. Im Vergleich zu vielen anderen Spielen, in denen ihr kleine Monster fangt und mit ihnen kämpft (Pokémon, Digimon, YoKai Watch, etc.), steht ihr in diesem Titel tatsächlich Seite an Seite mit euren Mirages.

Habt ihr sie erst einmal gefangen, könnt ihr die kleinen Kreaturen fleißig skillen, entwickeln und ihnen neue Attacken beibringen, die manchmal auch außerhalb des Kampfbildschirms nützlich sind. Dabei ist das Design der Monster wirklich vielseitig und oftmals einfach nur herzzerreißend süß, sodass von Sammelwut getriebene Spielerherzen vor Freude aufblühen dürften. Dabei greift World of Final Fantasy auf das Active Time Battle zurück. Kurzum: Wer am schnellsten ist, darf auch als erstes angreifen.

Um mächtigere Angriffe zu wirken, neue Attacken einzusetzen und mehr KP zu besitzen, könnt ihr eure Mirages stapeln. Ja, stapeln. Auf eurem Kopf, wobei ihr die Größe der Teilnehmer beachten müsst. Je nachdem, ob eine Kreatur – euch eingeschlossen – Small, Medium oder Large ist, kann sie bestimmte Platz ein eurem Dreier-Stapel einnehmen. Ein L-Mirage wird nicht in der Mitte oder oben auf dem Stapel sitzen können, sondern muss immer den untersten Platz einnehmen. Und so spitzt sich der Stapel zu. Kleiner Nachteil: Stapelt ihr, seid ihr auch anfälliger für wuchtige Angriffe und verliert im schlimmsten Fall das Gleichgewicht. In diesem Fall seid ihr eine Runde gestunned und müsst euch anschließend neu stapeln oder alle Kämpfer einzeln angreifen lassen.

Herz statt Kopf

Im harten Kontrast zum düsteren Setting des jüngsten Final Fantasy-Ablegers, setzt World of Final Fantasy voll auf Niedlichkeit, große Augen und runde Formen. Optisch haben mich Lann und Reynn an Charaktere aus Kingdom Hearts erinnert, mit dem ich nur ganz, ganz wenig in Berührung gekommen bin. Wer zudem eine Abneigung gegen Chibis hat, sollte auf jeden Fall die Finger von dem Titel lassen – denn ihr werdet überschwemmt von putzigen, kleinen Figuren!

Das Spiel ist hübsch anzusehen, schwächelt allerdings in Sachen Bewegungsfreiheit und Dungeons. Leider habt ihr nicht die Möglichkeit, die Welt halbwegs frei zu erkunden, denn überall behindert euch der Titel mit Zäunen, Abgründen oder unsichtbaren Wänden. Gleichzeitig sind auch die zwischenzeitlich eingestreuten Dungeons ein bisschen enttäuschend, weil weder richtig fiese Rätsel auf euch warten, noch aufgebuffte Mechanismen. Meisten müsst ihr einen Schalter betätigen, ein bestimmtes Mirage ausschalten oder einfach endlose Strecken zurücklegen. Schade, denn etwas mehr Köpfchen dürfte World of Final Fantasy durchaus von uns verlangen.

Auch die Synchronisation ist eher mittelmäßig. Das liegt weniger an den Stimmen, sondern an der technischen Umsetzung, bei der die zeitverzögerte Mundbewegung von Lann, Reynn und Co. richtig doll nervt. Ich konnte im Laufe des Spiels auf nichts anderes mehr achten, denn auch inhaltlich stimmen die deutschen Übersetzungen mit der englischen Sprachausgabe nicht überein. Dass irritiert und hätte durchaus eleganter gelöst werden können.


Eine Wortschmiedin mit Würfelpech, deren Herz nicht nur für Dungeons & Dragons schlägt, sondern auch für RPGs aller Art und Spaghetti Bolo. Ihr mieses Mojo holt aus jedem Würfel das Schlechteste raus - damit andere Spieler glänzen können.

Author wtfimcool
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