Marvel Universe Live! – Amüsement und Enttäuschung

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Über 25 Marvel-Helden, ein episches Abenteuer. Mit diesem Versprechen und mehr lockte Marvel Universe Live! mich im November in die Barcalycard-Arena in Hamburg und weckte den Wunsch nach einem unvergesslichen Ereignis. Bei all dem Marvel-Boom, der derzeit auf den Kinoleinwänden der Welt stattfindet, empfand ich eine Live Action Show als nette Abwechslung. Unbeeindruckt von dem Kartenverkäufer („Na ja, das sind halt Männer in Strumpfhosen – muss man mögen!“) war ich sicher: Genau mein Ding!

Nun, nachdem das Erlebnis verdaut wurde, ist es wohl an der Zeit, ein Fazit zu ziehen.


Worum geht’s?

Im Zentrum des Abenteuers steht der Cosmic Cube. Um zu verhindern, dass sein Bruder Loki die Macht über den Würfel erlangt, hat Thor in weiser, asgardischer Voraussicht den Hammer geschwungen und das gute Stück einfach in dutzende Einzelteile zerlegt, die anschließend quer über die Welt verteilt wurden.

Davon lässt sich Loki allerdings nicht abhalten: Gemeinsam mit anderen Bösewichten des Universums schmiedet er einen vernichtenden Plan, den Cosmic Cube wieder zusammenzusetzen und die Macht an sich zu reißen. Zu diesem Zweck sperrt er zwei ziemlich mächtige X-Men in eine fremdartige Apparatur und will sich deren Energie zunutze machen.

Marvels größte Superhelden müssen sich also vereinen, um dem Bösen Einhalt zu gebieten und die Einzelteile des Würfels vor den Schurken in die Finger zu bekommen.

Live Action Enttäuschung

Ich will ganz ehrlich sein: Meine Erwartungen waren niedrig. Einfach, weil ich absolut nicht wusste, auf was ich mich bei dieser Veranstaltung einstellen sollte. Und obwohl ich nach dem mordsmäßigen Merchandise-Himmel im Foyer ein bisschen hoffnungsvoll geworden bin, dämpfte das eigentliche Event dann doch ziemlich die Laune.

Das liegt weniger an der Story oder den langweiligen Stunts, bei denen Wolverine auf seinem Motorrad durch die recht kleine Arena rast oder manch ein Sprüngchen wagt. Es war die Umsetzung, die wirklich bitter aufstößt. Leider merkt man ganz deutlich, dass die Darsteller eben Stuntmen sind – und keine Schauspieler. Sämtliche Spracheinlagen wurden daher im Vorfeld aufgenommen und einfach zur passenden Gelegenheit abgespielt, während Spiderman wie ein Affe auf Crack Flick-Flacks durch die Halle schlägt oder Captain Marvel etwas sinnlos von A nach B durch die Lüfte schwebt.

Mir ist schon klar, dass der Schwerpunkt wohl auf anderen Dingen liegen sollte, aber selbst die Stunts waren in 98 Prozent der Fälle nicht mehr wert als ein schwaches Lächeln. An jedem Hamburger Skateplatz gibt es aufregendere Kunststücke zu sehen, sodass ich nach Hälfte der Show mit einem leisen Seufzen in meinem Stuhl lag.

Ähm, war das nötig?

Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sich die Show größtenteils an das jüngere Publikum und richtig eingefleischte Hardcore-Marvel-Fans richtet – oder eben betrunkene Fußballfans, die nach dem HSV-Spiel gegenüber noch einen Abstecher zu uns gemacht haben und sich köstlich amüsierten.

Leider war die Show viel zu voll gestopft, teilweise mit Schurken und Helden, die man sich locker hätte sparen können. Während Doctor Octopus einen kaum zehnminütigen Auftritt hinter einer halbtransparenten Wand hatte, prügelte sich Der Grüne Kobold fachmännisch in der Luft mit Spiderman herum. Das Highlight jedoch war Red Skull, der sich auf der Flucht vor unseren Helden in ein WINZIGES FLUGZEUG GEQUETSCHT HAT. Noch nie habe ich so herzhaft gelacht, wenn sich ein Schurke mit einem Gegenstand aus dem Staub gemacht hat, der die Welt zerstören könnte.

Getoppt wurde das nur noch von Hulk, der bis kurz vor Ende ausschließlich als Bruce Banner in Erscheinung getreten ist – und damit am überzeugendsten war. Die Verwandlung in den grünen Riesen war jedoch.. enttäuschend lächerlich. Eine riesige Figur aus Pappmaché (?), die kaum in der Lage war, die Arme zu heben. Nein, da hätte ich Bruce Banner vorgezogen.

Lichte Momente

Allerdings gab es auch Dinge, die mir gefallen haben. Auch wenn ich ziemlich über Spiderman pöble, finde ich, dass er gut umgesetzt worden ist. Ein bisschen gezwungen jugendlich, besonders in seinen Sprüchen, aber eben doch gut gemacht. Ich habe ihm sogar seine Hyperaktivität nachgesehen, weil er im Gesamteindruck im Gegensatz zu all den anderen Helden und Schurken wenigstens ein bisschen authentisch gewirkt hat. Auch Loki war teilweise großartig inszeniert, konnte seine Fähigkeiten optisch wunderbar ausspielen und hat fast allen anderen Charakteren die Schau gestohlen.

Und so sehr ich die vorgesprochenen Textpassagen auch hasse, hat sich das Team hinter Marvel Universe Live! viel Mühe damit gegeben, an die Original-Synchronstimmen der Helden heranszukommen und zumindest an dieser Stelle die Wogen glätten können.


Fazit

Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Website von Marvle Universe Live!

Eine Wortschmiedin mit Würfelpech, deren Herz nicht nur für Dungeons & Dragons schlägt, sondern auch für RPGs aller Art und Spaghetti Bolo. Ihr mieses Mojo holt aus jedem Würfel das Schlechteste raus - damit andere Spieler glänzen können.

Author wtfimcool
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