The Raven Cycle – Von Krähen, Magie und düsteren Omen

Vor kurzem habe ich mich ein bisschen verliebt. In vier Personen gleichzeitig. Vier Bücher und eine übernatürliche Geschichte später, kann ich also nicht anders als eine Review über die Raven Boys zu verfassen. Obwohl diese Werke von Autorin Maggie Stiefvater zu recht (und irgendwie trotzdem zu Unrecht) im Genre für Jugendliche einsortiert sind, bietet die Story so viel mehr als das. Anfangs abgeschreckt vom etwas platten Klappentext des ersten Buches, hat mich vor allem eins dazu bewegt, doch einen blick zu riskieren: die Fans. Lasst euch erklären, warum diese Community Segen und Fluch zugleich ist und was die Bücher von Stiefvater für mich so interessant machen.


Keine lahme Romanze

Der inhaltliche rote Faden der insgesamt vier Bücher ist schnell erklärt: Die junge Blue Sargeant lebt in einer kleinen Ortschaft und wohnt gemeinsam mit ihrer Mutter sowie einigen zusammengewürfelten „Tanten“ zusammen. Bis auf Blue verbindet die Frauen die Begabung zur Hellsichtigkeit, womit sie auch ihr täglich Brot verdienen. Statt jedoch mehr oder weniger professionell die Zukunft von anderen Leuten vorherzusagen, ist Blue eine andere Art von Mysterium. Seit sie denken kann, wird ihr von allen Wahrsagerinnen die gleiche  Prognose gestellt: Ihr Kuss wird ihrer ersten Liebe das Leben kosten.

Iih, Liebe!

Vermutlich reagiert ihr jetzt wie ich und verzieht ein bisschen angeekelt das Gesicht. Leider spiegelt diese Zusammenfassung nur einen Bruchteil dessen wieder, was auf hunderten von Seiten wirklich schlummert. Davon abgesehen, dass unsere Hauptprotagonisten alle noch die Oberstufe besuchen, hat Stiefvater vier Bücher voller Magie, Emotionen und wunderbarer Charaktere geschaffen. Denn Blue macht nur ein fünftel der eigentlichen Figuren aus. Über den Klappentext hinaus lernen wir also vier Jungs kennen, die nicht nur richtig viel Schwung in die Geschichte bringen, sondern auch wahnsinnig viel Wut. Darauf wäre ich ohne die Fans nie gestoßen – leider und zum Glück. Denn die Begeisterung für die Bücher war so groß, dass ich mich vielleicht ein bisschen zu weit ins Fandom vorgewagt habe und furchtbar gespoilert worden bin. Wer also das absolute Lese-Erlebnis haben will, sollte vorerst einen Bogen um die Community machen.

Die Raven Boys

Die eigentliche Story dreht sich meiner Meinung nach um Gansey. Seit einem traumatischen Erlebnis in seiner Kindheit, sucht dieser nach dem verschollenen Grab eines längst vergessenen Königs und ist wie besessen von der Magie, die diesem innewohnen soll. Denn wer den König weckt, darf laut Legende eine beliebige Gunst einfordern. Während Gansey schwärmt und seinem Wahnsinn fröhnt, wird er von seinen drei besten Freunden – und später auch Blue – bei dieser Suche unterstützt. Allerdings hat jeder von denen sein eigenes Päckchen zu tragen. Ronan kämpft mit düsteren Albträumen, unzähligen Geheimnissen und einem Hang zum suizidalen Verhalten, während Adam verzweifelt versucht, den täglichen Schlägen seines Vaters zu entkommen. Nein keiner der Jungs hat es wirklich leicht – und gerade deswegen wachsen sie einem so ans Herz.

Wut im Bauch

Sprachlich kann ich Stiefvater nur schwer einschätzen. Ohne Frage strotzen die Bücher nicht vor hochgestochenen Phrasen, doch immer wieder gibt es Passagen, in denen sich ihr Talent für Worte zeigt. Das Lesen macht nicht nur aufgrund der Geschichte Spaß, sondern vor allem wegen der eindringlichen Beschreibungen. Ich hab mich in so viele Kleinigkeiten verliebt. Ronans Hass auf sich selbst und das verzweifelte Kratzen in seinem Kopf. Adams Stolz, der sich nicht durch Gewalt, aber auch nicht durch Geld brechen lässt. Und obwohl ich kein Fan von weiblichen Figuren bin (weil meist weinerlich oder unfähig dargestellt), hab ich selbst an Blues bissigem Gehabe und ihren saloppen Sprüchen Gefallen gefunden.


Fazit


Eine Wortschmiedin mit Würfelpech, deren Herz nicht nur für Dungeons & Dragons schlägt, sondern auch für RPGs aller Art und Spaghetti Bolo. Ihr mieses Mojo holt aus jedem Würfel das Schlechteste raus - damit andere Spieler glänzen können.

Author wtfimcool
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