American Gods (Staffel 1) – Von alten und neuen Göttern

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Einen Tag hat es mich gekostet, mich durch die neue Amazon Prime-Serie American Gods zu wühlen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman, der von Neil Gaiman kreiert wurde, behandelt die Serie übernatürliche Geschehnisse und einen Kampf zwischen alten und neuen Göttern. Wer hier an DnD denkt, ist leider auf dem Holzweg.


Ein neuer Anfang

Shadow Moon sitzt gerade die letzten drei Tage seiner mehrjährigen Haft wegen Körperverletzung ab, als er im Gefängnis seine persönliche Hiobsbotschaft erhält: Seine Frau ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Moon wird einige Tage eher als gedacht auf freien Fuß gesetzt. Er legt alles daran, rechtzeitig nach Hause zurück zu kehren, um an der Beerdigung teilnehmen zu können.

Auf dem Weg dorthin lernt er den seltsamen und etwas kauzigen Mr. Wednesday kennen, der in ähnlich illegale Geschäfte verwickelt zu sein scheint, wie Moon früher. Nach einigen zerschmetternden Ereignissen und gelüfteten Geheimnissen stimmt Moon schließlich zu, den Bodyguard von Wednesday zu mimen. Fortan begleitet er seinen neuen Boss auf einer wirren Fahrt durch das Land.

Ohne zu wissen, wer Mr. Wednesday überhaupt ist, lernt Moon noch verrücktere Gestalten kennen. Kobolde, Zombies und digitale Gottheiten machen ihm das Leben schwer – und versuchen den abstrusen Plan seines neuen Chefs zu vereiteln. Slawische, griechische und nordische Götter treffen auf die Götter der Neuzeit: Internet, Medien und Moderne.

Ist neu immer besser?

Alt gegen neu. Analog gegen Digital. American Gods bezieht sich auf eine unheimlich vielversprechende Story, die im Buch vielleicht sogar gut funktioniert. Als TV-Serie geht die Rechnung meiner Meinung nach leider nicht auf.

Das liegt weniger an der technischen Umsetzung, denn American Gods ist fraglos bildgewaltig. Nicht immer trifft die Ästhetik meinen persönlichen Geschmack, aber über zu wenig episches Flair kann man sich wirklich nicht beklagen. Das Intro ist der Hammer und verbindet geschickt alte Göttersymbole mit technologischen Entwicklungen der Neuzeit. Leider fehlt es mir an Erklärungen.

Kaum war ich darüber hinweg, dass die Hauptfigur wirklich diesen absurden Namen „Shadow Moon“ trägt, da kam auch schon die erste digitale Gottheit daher. Technical Boy ist ein laufendes Klischee – und etwas zu viel des Guten. Natürlich musste es ein junger Bursche mit abgedrehtem Look und übersteigertem Ego sein, der das gefürchtete Internet darstellt. Etwas mehr als das hätte ich mir schon gewünscht, vor allem aber einen Gott, der nicht eine ganze Generation denunziert.

Es fehlt an Inhalt

Obwohl viele Götter unheimlich interessant und einige wirklich gut dargestellt sind – beispielsweise Bilquis und (Nicht-Gott) Mad Sweeney – hat die Serie inhaltlich kaum etwas zu bieten. Kaum ein göttliches Wesen wird mit dem Namen genannt, sodass der Zuschauer sich auf reine Spekulationen verlassen muss. Gerade unbekanntere Figuren können schlichtweg nicht identifiziert werden, wenn man das literarische Grundwerk nicht gelesen hat.

Darüber ließe sich getrost hinwegsehen, wenn die dutzenden Gespräche zwischen Moon und Wednesday mehr zu bieten hätten als leise Versprechungen. In American Gods wird so, so viel geredet – aber nichts erzählt. Nach jeder Folge wurde meine Verwirrung größer und meine Fragen lauter. Selbst das vermeintliche Staffelfinale ist für mich nichts weiter gewesen als ein laues Lüftchen. Ich habe fast nichts über die Figuren gelernt. Außer über Moons Frau, die leider mehr nervtötend als wirklich ernstzunehmend war.

So macht Moons weiteres Schicksal fraglos neugierig, kann mich aber kaum in die kommende Staffel ziehen. Viel eher interessiert mich ein mögliches Wiedersehen mit Moons altem Knast-Freund „Low-Key Lyesmith“ oder die Frage, was genau die einzelnen Götter für Fähigkeiten haben. Ich erwarte eine Welten zerreißende Schlacht und weniger klischeebehaftete Charaktere. Es gibt Serien, bei denen man sich erst durch ein oder zwei schwierige, langatmige Staffeln quälen muss, bis die Story ihren Reiz entfaltet. Nach genau so einem Fall fühlt es sich bei Amrican Gods derzeit leider an.


Fazit

Eine Wortschmiedin mit Würfelpech, deren Herz nicht nur für Dungeons & Dragons schlägt, sondern auch für RPGs aller Art und Spaghetti Bolo. Ihr mieses Mojo holt aus jedem Würfel das Schlechteste raus - damit andere Spieler glänzen können.

Author wtfimcool
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